Der Russisch-Japanische Krieg 1904/05 – ein „Nullter Weltkrieg?

von Arne Weber

1  Einleitung

Der Russisch-Japanische Krieg von 1904/05 war einer der ersten größeren Konflikte des 20. Jahrhunderts. Ein Jahrzehnt vor Beginn des Ersten Weltkriegs brachte dieses Ringen zwischen der etablierten europäischen Großmacht Russland und der neuen asiatischen Macht Japan um die Vorherrschaft in der Mandschurei und auf der koreanischen Halbinsel einige Verwerfungen mit sich. Während sich das unterlegene Russische Zarenreich von seinen Ambitionen in Zentralasien und Fernost langsam verabschiedete und sich wieder verstärkt in Europa, vor allem auf dem Balkan, engagierte, stieg das siegreiche Japanische Kaiserreich, gerade einmal rund 60 Jahre nach dem Ende seiner zweieinhalb Jahrhunderte andauernden Isolation, endgültig zu einer internationalen Großmacht auf.

Die Tatsache, dass somit erstmals eine europäische Großmacht durch ein asiatisches Land die Grenzen aufgezeigt bekam, beeindruckte damals weltweit die Zeitgenossen. Doch nicht nur die Tatsache, dass damit der Nimbus europäischer Unbesiegbarkeit erloschen war, macht diesen auf den ersten Blick regional begrenzten und scheinbar vergleichsweise unbedeutenden Konflikt zu einem wichtigen Ereignis der Weltgeschichte. Nachdem bereits die USA als erste außereuropäische Großmacht verstärkt auf den Plan traten, erwuchs in Japan nun auch eine erste „nicht weiße“ Großmacht in Asien, die zukünftig ebenso wie die etablierten Mächte eine gewichtige Rolle – nicht nur als bedeutendste Regionalmacht in Fernost, sondern auch als ein neuer umworbener Faktor im globalen Mächtesystem – spielen sollte.

Der Russisch-Japanische Krieg ist daher in seiner weltgeschichtlichen Bedeutung nicht zu unterschätzen, wenngleich er in der Wahrnehmung natürlich im Schatten der beiden großen Weltkriege von 1914-18 und 1939-45 steht. Doch auch dieser scheinbar begrenzte Konflikt trägt bereits die Charakterzüge eines „modernen“ Großkrieges des 20. Jahrhunderts in sich und war damit in vielfacher Hinsicht richtungsweisend. Nicht nur seine Auswirkungen auf das internationale Mächtegleichgewicht, sondern auch die in ihm erstmals voll offenbarte Zerstörungskraft neuer industriell gefertigter Waffensysteme und hohe Opferzahlen fordernde Kampftaktiken, die bis dahin nicht gekannte Größenordnung der Truppenverbände und die Verwicklung anderer Mächte mit eigenen Interessen in den Konflikt, haben in der Forschung die Frage aufkommen lassen, in wie weit man möglicherweise vom Russisch-Japanischen Krieg als einem wirklich ersten Weltkrieg der Geschichte, einer Art „Nulltem Weltkrieg“, sprechen kann.

Steinberg und Kollegen vertreten in ihrem bereits den Titel World War Zero tragenden Sammelband über den Russisch-Japanischen Krieg genau diese These, in dem es in der Einleitung zu Band 1 heißt: „Although historians commonly refer to Europe’s Great War of 1914-18 as the First World War, this volume contends that in many ways the modern era of global conflicts began a decade earlier with armed confrontation between Russia and Japan.“[1] Segesser hingegen sieht zwar ebenfalls eine, bereits durch die gesamte Frühe Neuzeit hindurch erkennbare Entwicklung hin zu globalen Konflikten, die jedoch aufgrund ihres Charakters als von Europäern in begrenztem Rahmen geführten Kolonialkriegen noch nicht als Weltkriege bezeichnet werden könnten. Er halte es vielmehr für angemessen, bei vor dem Ersten Weltkrieg geführten Konflikten lediglich von „Kriegen mit globalen Hintergründen“ zu sprechen. [2]

Die vorliegende Arbeit möchte daher untersuchen, in wie weit es sich beim Russisch-Japanischen Krieg tatsächlich um einen „Nullten Weltkrieg“ handeln könnte. Hierzu soll auf den kommenden Seiten zunächst die militärtheoretische Entwicklung der Konflikte von der Frühen Neuzeit bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts sowie die Entstehung von ersten Kriegen mit globaler Dimension aufgezeigt und anschließend ein Definitionsversuch für den Begriff „Weltkrieg“ unternommen werden. Abschließend soll zur Klärung der Frage, ob der Krieg zwischen Russland und Japan als Weltkrieg bezeichnet werden kann, untersucht werden, inwieweit sein Charakter der Definition eines Weltkrieges entspricht. Aufgrund der Vielzahl an Untersuchungsfeldern, die hierbei behandelt werden könnten, wird dabei auf ausgewählte Faktoren eingegangen werden, nämlich die militärische Dimension des Krieges und dessen Auswirkungen auf die zukünftige Kriegführung, die indirekt am Konflikt beteiligten Blocksysteme, seine Folgen für das globale Mächtesystem sowie seine Auswirkungen auf den Kriegsverlierer Russland.

2  Militärtheoretische Entwicklung

2.1  Vom „Kabinetts-“ zum „Volkskrieg“: Das Phänomen der Massenheere

Die ganze Frühe Neuzeit hindurch war das Führen von Kriegen allein eine Angelegenheit der europäischen Dynastien und Herrscherhäuser. Ausgefochten unter der Führung ihrer jeweiligen Kabinette, waren die militärischen Zielsetzungen dieser „Kabinettskriege“ genannten Konflikte allein vom Interesse der am Krieg beteiligten absolutistischen Herrscher abhängig und dienten lediglich der Durchsetzung oder Verteidigung dynastischer oder territorialer Ansprüche. Diese „Kabinettskriege“ spielten sich in einem regional überschaubaren Rahmen ab und waren auch ansonsten von begrenzter Dimension. Große Vernichtungskriege, wie sie im 19. und noch um ein vielfaches verstärkt im 20. Jahrhundert auftraten, existierten zu dieser Zeit noch nicht. Der Grund für diese Abwesenheit von Großkriegen dürfte in der strukturellen Schwäche des Lehnswesens und des damaligen politischen Systems gelegen haben. Die breite Masse der Bevölkerung war von politischer Teilhabe wie auch vom Kampfgeschehen ausgeschlossen. Die aufgestellten elitären Berufsarmeen setzten sich nahezu vollständig aus Söldnern zusammen. Der Unterhalt dieser Söldnerheere war aufwendig und kostspielig, was den Herrschern weder die Finanzierung einer großen Armee, noch das Führen großer und entgrenzter Kriege erlaubte. [3]

Ab den 1770er Jahren änderte sich diese Situation jedoch grundlegend. Beginnend mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskampf und in noch wesentlich größerem Ausmaße während den Revolutionskriegen im Gefolge der Französischen Revolution, entstanden nun militärische Konflikte eines neuen Typus, in denen breite, nicht mehr von der politischen Teilhabe ausgeschlossene Bevölkerungsschichten bereit waren, für das Erreichen ihrer Ziele oder die Verteidigung ihres Staates in den Kampf zu ziehen. Diese zunächst spontan und weitestgehend unorganisiert stattfindende militärische Selbstmobilisierung des Volkes brachte den sogenannten „Volkskrieg“ hervor, der die bisher gekannten Kriege der Kabinette ablösen sollte. Es bildeten sich drei idealtypische Erscheinungsformen dieses „Volkskrieges“ heraus. Zunächst stellt dabei der Guerillakrieg die reinste Form der Selbstmobilisierung breiter Bevölkerungsmassen dar, da er dazu dient, nach dem Zusammenbruch der eigenen staatlichen Ordnung einen irregulären Kampf gegen eine feindliche Besatzungsmacht zu führen. Als namensgebendes Beispiel hierfür wäre der Spanische Aufstand gegen die französische Besatzung im Jahr 1808 zu nennen. Die zweite Form des „Volkskrieges“ ist der Krieg mit Milizarmeen, worunter der Zusammenschluss großer Freiwilligen-Heere unter staatlicher Führung zur Austragung eines großangelegten regulären Krieges zu verstehen ist. Etwaige Beispiele, wie das Freiwilligen-Heer des revolutionären Frankreichs ab 1792, offenbarten jedoch einige Probleme. Es mangelte diesen Armeen oft an Ausbildung; zudem waren sie für die staatliche Führung nur schwer zu kontrollieren. Um diesen Umständen zu begegnen, trat bald eine dritte Erscheinung des „Volkskrieges“ auf den Plan, nämlich der noch heute gängige Krieg mit Wehrpflichtigen-Armeen. Diese Armeen wurden mithilfe staatlicher Regulation und Zwangsmaßnahmen aufgestellt und standen unter einem professionellen militärischen Kommando. [4]

Der „Volkskrieg“ brachte somit wahre Massenheere in bis dahin nicht gekannter Größenordnung hervor. Wie chancenlos die herkömmlichen kleinen Söldnerheere diesem „Phänomen der Massenheere“ gegenüberstanden, verdeutlicht Carl von Clausewitz‘ (1780-1831) zeitgenössische Analyse der militärischen Lage während der Revolutionskriege gegen die französischen Massenheere:

„So waren die Sachen, als die französische Revolution ausbrach. Österreich und Preußen versuchten es mit ihrer diplomatischen Kriegskunst; sie zeigte sich bald unzureichend. Während man nach der gewöhnlichen Art, die Sachen anzusehen, auf eine sehr geschwächte Kriegsmacht sich Hoffnung machte, zeigte sich im Jahr 1793 eine solche, von der man keine Vorstellung gehabt hatte. Der Krieg war urplötzlich wieder eine Sache des Volkes geworden, und zwar eines Volkes von 30 Millionen, die sich alle als Staatsbürger betrachteten. […] Mit dieser Teilnahme des Volkes an dem Kriege trat statt eines Kabinetts und eines Heeres das ganze Volk mit seinem natürlichen Gewicht in die Waagschale. Nun hatten die Mittel, welche angewandt, die Anstrengungen, welche aufgeboten werden konnten, keine bestimmte Grenze mehr; die Energie, mit welcher der Krieg selbst geführt werden konnte, hatte kein Gegengewicht mehr und folglich war die Gefahr für den Gegner die äußerste.“[5]

Von Clausewitz spricht dabei in seiner treffenden Analyse ein weiteres enormes Problem an, dass die Kriegsführung mit Massenheeren mit sich bringt. Der Unterhalt und die Versorgung der ab den Napoleonischen Kriegen eingesetzten Wehrpflichtigen-Armeen erforderte ab sofort enorme wirtschaftliche und finanzielle Anstrengungen unter Aufbietung aller zur Verfügung stehenden Ressourcen von Volk und Staat. Diese machte eine zentralisierte staatliche Lenkung nötig, um auch die für die Versorgung der Armee mit Verpflegung und Waffen notwendige Arbeitskraft der Zivilbevölkerung einbeziehen zu können. Eine verstärkte staatliche Kontrolle der Massenmedien und folglich auch erste Kriegspropaganda zur Aufrechterhaltung der Moral traten auf, während der jeweilige Kriegsgegner durch psychologische Kriegsführung versuchte, die Moral seines Feindes zu brechen.

In späteren Konflikten des 19. Jahrhunderts, wie dem Amerikanischen Bürgerkrieg 1861-65 oder dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, in denen sich ähnlich starke Massenheere gegenüberstanden, entwickelten sich regelrechte „Materialschlachten“ und „Abnutzungskämpfe“, die zur Verheerung ganzer Landstriche und zu stark gestiegenen Opferzahlen führten. Eine zunehmend technisierte Kriegsführung, bedingt durch die fortschreitende industrielle Revolution, erhöhte dabei stetig das Vernichtungspotenzial der Kriegsgegner. Daraus resultierte eine immer größer werdende Entgrenzung des Krieges. Aus zuvor begrenzten Konflikten entstanden regelrechte „Existenzkämpfe“.

Ziel war nun nicht mehr das Erreichen eines bestimmten und vorher festgelegten Kriegsziels, sondern die möglichst vollständige Niederwerfung des Gegners unter totalem Einsatz der eigenen Kräfte und Ressourcen, um selbst als Volk bzw. Staat weiter existieren zu können. Somit bedingte das Aufkommen des „Volkskrieges“ letztendlich das Entstehen des Zeitalters der „Totalen Kriege“, das bereits im 19. Jahrhundert einsetzte und seinen Höhepunkt im 20. Jahrhundert erreichen sollte. [6]

2.2  Erste Kriege mit globaler Dimension

Zeitgleich mit der industriellen, sozialen und militärischen Revolution der Kriegsführung vollzog sich im Laufe der Frühen Neuzeit auch eine bis dahin nicht gekannte Verflechtung der Kontinente. Ausgehend von der globalen Expansion der europäischen Mächte ab dem 16. Jahrhundert bildete sich zunehmend eine „Weltgesellschaft“ heraus. Der von Europäern forcierte Überseehandel, die Ansiedlung von Europäern auf anderen Kontinenten und schließlich die immer systematischer betriebene Kolonisation außereuropäischer Erdteile vernetzte die Mächte Europas immer stärker im sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereich mit den anderen Kontinenten der Welt, was die Geschehnisse in Europa auch in immer stärkerem Maße von Entwicklungen in Übersee abhängig machte.

Konflikte der europäischen Großmächte wurden nun nicht mehr nur in Europa ausgetragen, sondern überall dort geführt, wo sich die kriegführenden Parteien antrafen und sich ihre Interessen überschnitten. Im Kern europäische Konflikte entwickelten sich daher zu global geführten europäischen Kriegen weiter. Beispiele hierfür sind der Österreichische Erbfolgekrieg 1740-48, der Siebenjährige Krieg 1756-63 oder auch der amerikanische Unabhängigkeitskrieg 1775-83. [7] Außerdem kam es im Rahmen der europäischen Expansion verstärkt zu Kolonialkriegen der Mächte gegen indigene Völker. All diesen global geführten Konflikten war jedoch gemein, dass es sich immer noch um relativ begrenzte Kriege handelte, die von Europäern gegeneinander ausgefochten wurden. Wenn indigene außereuropäische Völker am Kriegsgeschehen beteiligt waren, dann nur selten als Kriegspartei mit eigenen Interessen, sondern meist lediglich als „Spielball“ der europäischen Mächte oder  als zu kolonisierende „Beute“. [8]

Dies änderte sich jedoch mit den „Französischen Kriegen“ von 1792-1815. In diesem langen Ringen kämpfte nicht nur eine Vielzahl außereuropäischer Völker an der Seite europäischer Mächte, wie etwa bei der, diesen Umstand bereits in ihrem Namen implizierenden „Völkerschlacht“ von Leipzig 1813. Im Laufe dieser global ausgefochtenen Großkonflikte etablierten sich vielmehr neben den bereits unabhängigen Vereinigten Staaten auch autochthone außereuropäische Völker und Mächte, wie etwa das Osmanische Reich, Persien, die indigenen Herrscher Indiens, Arabische Fürsten oder die nordamerikanischen Shawnee-Indianer als eigenständig auftretende Kriegsakteure mit eigenen Interessen und Ansprüchen. Dies bewirkte neben einer weiteren Globalisierung des Kriegsgeschehens auch das Entstehen einer Abfolge von eigenständigen Kriegen auf anderen Kontinenten im Gefolge des Gesamt-Konflikts. [9]

Diese im Rahmen der „Französischen Kriege“ jedoch militärisch noch relativ erfolglose Emanzipation der autochthonen außereuropäischen Völker steigerte sich in den Folgejahrzehnten. Mächte wie Ägypten, das Osmanische Reich, Persien oder auch die sich langsam aus ihrer selbstgewählten Isolation lösenden fernöstlichen Mächte China und Japan begannen zunehmend das europäische System zu adaptieren und sich somit als eine neue und eigenständige Kraft im globalen Mächtesystem zu etablieren. Somit entstand, ausgehend von der europäischen Expansion nach Übersee, das Zeitalter globaler Konflikte, dessen Kriege globale und langfristige Auswirkungen im sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereich auf alle Mitglieder der „Weltgemeinschaft“ mit sich brachten. Verstärkt wurde dieser Effekt noch durch die sich stetig verbessernden Reise- und Transportmittel sowie die sich langsam verkürzenden Kommunikationswege. [10]

Dieser Prozess einer sich zunehmend herausbildenden global vernetzten „Weltgemeinschaft“ von in gegenseitiger Abhängigkeit und Wechselwirkung stehenden europäischen und außereuropäischen Mächten und die damit verbundene Entstehung von Kriegen mit globaler Dimension ist in der Forschung weitgehend unumstritten. Diskutiert wird jedoch die Frage, ob es sich bei diesen Konflikten bereits um wirkliche „Weltkriege“ gehandelt habe. Förster ist hierbei der Ansicht, dass im Rahmen der „Französischen Kriege“ die Schwelle zum Weltkrieg in dem Moment überschritten worden sei, als das französische Direktorium 1798 das militärische Eingreifen in Ägypten beschloss und somit in Gestalt des Osmanischen Reiches eine nicht-europäische Macht in das Kriegsgeschehen verwickelt wurde. Daher habe es sich spätestens bei diesem zwischen 1792-1815 geführten Großkonflikt um den ersten wirklichen Weltkrieg der Geschichte gehandelt. [11] Förster postuliert somit, dann von einem „Weltkrieg“ zu sprechen, sobald eine europäische Macht und eine nicht-europäische Macht gegeneinander Krieg führen. Wie bereits in der Einleitung zu dieser Arbeit erwähnt, wird diese Definition jedoch angezweifelt. Nach Segesser sei die Schwelle zu einem Weltkrieg erst dann überschritten, sobald sich mehrere europäische Mächte im Krieg mit mehreren außereuropäischen Staaten befänden und der Konflikt in großangelegtem Umfang alle Kontinente der Erde direkt oder indirekt beträfe. Er sieht daher erst den Krieg von 1914-18 als wirklichen „Ersten Weltkrieg“ an. [12]

2.3  Was zeichnet einen „Weltkrieg“ aus? – Ein Definitionsversuch

Um nun untersuchen zu können, ob es sich beim Russisch-Japanischen Krieg tatsächlich um einen „Nullten Weltkrieg“ handelt, ist es nötig, eine Definition für den Begriff „Weltkrieg“ aufzustellen. Wie oben gezeigt werden konnte, ebneten die militärische Entwicklung und die einsetzende Globalisierung in den vergangenen Jahrhunderten den Weg zu den großen Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Konflikt aber tatsächlich zu einem Weltkrieg wird, ist in der Forschung umstritten. Der Übergang scheint fließend und zweifelsohne muss eine ganze Reihe von Kriterien und nicht nur ein Einzelaspekt berücksichtigt werden, um diese Frage untersuchen zu können.

Gängige Lexika, wie etwa der Brockhaus, zielen in ihren Definitionen für den Weltkriegsbegriff auf die beiden großen Weltkriege 1914-18 und 1939-45 ab. Eine Berücksichtigung der Charakterzüge dieser beiden eindeutig Weltkriege darstellenden Großkonflikte ist fraglos für den Versuch, eine Arbeitsdefinition des Begriffs „Weltkrieg“ aufzustellen, unabdingbar. Sollte der Russisch-Japanische Krieg tatsächlich das Wesen eines Weltkrieges in sich tragen, müssten sich folglich auch die Definitionskriterien für die beiden späteren großen Kriege des 20. Jahrhunderts auf ihn anwenden lassen und von ihm erfüllt werden. In Brockhaus Geschichte wird „Weltkrieg“ nun wie folgt definiert:

„[…] ein globaler, zahlreiche Staaten und Völker einbeziehender militärischer Konflikt, bei dem die Kampfhandlungen sich auf fast alle Kontinente und Weltmeere erstrecken […] für die Weltkriege des 20. Jahrhunderts [war] charakteristisch: Konfrontation von Millionenheeren, Einsatz einer gewaltigen Militärmaschinerie mit entsprechenden logistischen und Nachschubproblemen […] die völlige Ausrichtung der nationalen Wirtschaften auf die Bedürfnisse des Krieges. Die Zivilbevölkerung wurde in einem bis dahin unbekannten Maße in die Kriegshandlungen einbezogen; die Zerstörung materieller und kultureller Güter führte zur Verwüstung großer Territorien. Beide Weltkriege zogen z.T. gesellschaftliche Umwälzungen nach sich oder riefen grundlegende Veränderungen im internationalen Staatensystem bzw. der politischen Weltordnung hervor; auch die Machtkonstellation zwischen den Ländern veränderte sich erheblich […].“[13]

Der vorliegende Lexikonartikel ergänzt somit die bereits in den vorangegangenen Kapiteln behandelten Aspekte der veränderten und entgrenzten Kriegsführung sowie der zunehmenden globalen Auswirkungen um weitere wichtige Definitionskriterien.

Nach Abschluss der oben genannten Betrachtungen und unter Zuhilfenahme dieser Definition der beiden großen Weltkriege des 20. Jahrhunderts erscheinen für einen „Weltkrieg“ nun folgende Punkte als charakteristisch:

Bei einem Weltkrieg handelt es sich um einen Konflikt zwischen Mächten verschiedener Kontinente, wobei diese in den bisherigen Fällen stets aus Europa und mindestens einem weiteren Kontinent stammten. Von einem Weltkrieg kann aufgrund der bestehenden Forschungskontroversen nur dann gesichert ausgegangen werden, wenn sich dabei nicht nur einzelne Mächte gegenüberstehen, sondern ganze Mächte- und Blocksysteme direkt oder indirekt am Konflikt beteiligt sind. Die Kriegsführung erstreckt sich auf weite Teile der Welt und spielt sich dabei oft auch auf dem Territorium eigentlich unbeteiligter Staaten ab.

Durch einen hoch technisierten Kampf zweier ähnlich starker Massen- und Millionenheere gegeneinander artet die Kriegsführung in regelrechte „Materialschlachten“ und einen langwierigen „Abnutzungskampf“ aus, was hohe Opferzahlen und die Verheerung weiter Landstriche zur Folge hat. Die Kriegsparteien sind daher zu enormen Kriegsanstrengungen unter Aufbietung erheblicher finanzieller, materieller, wirtschaftlicher und personeller Ressourcen gezwungen, was die Einbeziehung der gesamten Bevölkerung in die zivilen und militärischen Kriegsanstrengungen bewirkt und die staatliche Kontrolle der Massenmedien sowie Kriegspropaganda nötig macht. Eine bei anhaltendem Kriegsverlauf verstärkt einsetzende strategische Kriegsführung, die die Moral des Gegners brechen soll, erhöht die Zahl ziviler Opfer deutlich. Auch die „Heimatfront“ bleibt nicht von Kriegsauswirkungen verschont. Aufgrund dieser spürbaren Auswirkungen auch auf die Zivilgesellschaft kann es dabei in einzelnen am Krieg beteiligten Staaten – oder sogar weltweit – zu großen Verwerfungen im sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereich, wie etwa Revolutionen und Aufständen, kommen. Doch aufgrund seiner globalen Dimension und enormen Bedeutung führt der letztendliche Ausgang eines Weltkrieges automatisch auch zu langfristigen und schwerwiegenden Verschiebungen im gesamten globalen Mächtesystem, weshalb sich im Gefolge eines solchen Großkonflikts eine Abfolge weiterer lokal begrenzter oder globaler Konflikte entfesseln kann.

3  Der Russisch-Japanische Krieg als Weltkrieg?

Die Charakterzüge eines Weltkrieges sind nun klar umrissen. Die Tatsache, dass sich faktisch sämtliche Kampfhandlungen des Konflikts auf dem Territorium der am Krieg unbeteiligten Länder China und Korea abspielten und deren Bevölkerung darunter stark zu leiden hatte, kann hier nur am Rande erwähnt werden, ebenso die Auswirkungen auf die „Heimatfronten“ und die Propaganda sowie die weltweit spürbaren Folgen des Krieges im sozialen Bereich, besonders in den von Europäern beherrschten Kolonien, deren indigene Bevölkerung durch den Sieg Japans über eine europäische Großmacht neue Hoffnung für ihr eigenes Streben nach Selbstbestimmung schöpfte. Eine umfassende Untersuchung all dieser Aspekte müsste Gegenstand einer weiterführenden Arbeit sein. In diesem vorliegenden Kapitel soll stattdessen vielmehr auf die wichtigen Hauptmerkmale eines Weltkrieges eingegangen werden.

3.1  Die militärische Dimension

Als eines der wichtigsten Haupteigenschaften eines Weltkrieges ist hierbei seine militärische Dimension zu nennen. Die Größenordnung der militärischen Auseinandersetzungen während des Russisch-Japanischen Krieges war enorm und offenbarte eine neue Qualität des Krieges. Russland mobilisierte rund 1,3 Millionen Soldaten, während Japan nahezu ebenbürtige 1,2 Millionen Mann [14] ins Feld führen konnte. Im Laufe des eineinhalb Jahre andauernden Kriegsgeschehens zwischen diesen gleich großen Millionenheeren entspannten sich aufgrund ihrer schieren Größe immer wieder wochenlang andauernde Schlachten, die teilweise eine Ausdehnung von bis zu 100 km von Flanke zu Flanke und eine Tiefe der Front von rund 50 km besaßen. Neben der neuen Qualität ihrer zeitlichen und flächenmäßigen Ausdehnung offenbarten diese oft „bis zum letzten Mann“ geführten Konfrontationen auch ein bis dahin nicht gekanntes Maß an Vernichtungspotenzial, da hier nun erstmals die von der Industriellen Revolution hervorgebrachten neuen Waffen wie das Maschinengewehr, schwere Artillerie oder auch der Stacheldraht in großem Umfang zum Einsatz kamen [15].

Allein in der 11-tägigen Schlacht um Mukden wurde dabei mit 20,11 Millionen Maschinengewehr-Patronen und 279.394 Artillerie-Granaten genauso viel Munition verschossen, wie im gesamten sieben Monate umfassenden Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Während den Kämpfen bei Nanshan wurde mit 2,19 Millionen Maschinengewehr-Patronen und 34.049 Artillerie-Granaten an einem einzigen Tag sogar die gleiche Zahl an Geschossen verbraucht, wie in den gesamten drei Monaten des Preußisch-Österreichischen Krieges von 1866. Die Folge waren festgefahrene Fronten und ein deutlich höherer Verlust an Menschenleben. Betrug die Verlustrate in der Schlacht von Königgrätz 1866 auf preußischer Seite 4% und auf österreichischer 11,5% und in der Schlacht um Sedan 1870 7,3% auf deutscher und 18,9% auf französischer Seite, so betrugen die Verluste der immerhin siegreichen japanischen Armee in der Schlacht von Mukden 27,2% und sogar 45,6% bei der erfolgreichen Belagerung von Port Arthur. Dieser gewaltige Verlust an Soldaten und Material erschöpfte beide Kriegsparteien dermaßen, dass ein Friedensschluss am Ende unausweichlich wurde. Japan konnte zuletzt auch nur noch eine Schlacht länger den Kampf aufrecht erhalten, als das geschlagene Russische Zarenreich. [16]

Die Kriegsführung und taktische Herangehensweise gestaltete sich dabei in einer sich nicht von den großen Schlachten und Stellungskriegen des Ersten Weltkrieges, wie beispielsweise Verdun, unterscheidenden Art. Die Belagerung Port Arturs durch die Dritte Japanische Armee unter General Nogi Maresuke (1849-1912) begann am 19. September 1904 mit einem Bombardement der Festung durch 476 Artilleriegeschütze und 18 schwere Haubitzen. Trotz dieser enormen Feuerkraft erzwang bereits die Einnahme einer einzigen strategisch wichtigen Anhöhe einen beträchtlichen Aderlass der japanischen Truppen. Der letztendliche Gebietsgewinn des 203 Metern-Hügels, der von immer wieder anstürmenden Wellen von Soldaten erkämpft wurde, kostete auf japanischer Seite über 17.000 Menschenleben. Insgesamt verlor die japanische Armee bis zur Kapitulation Port Arthurs am 2. Januar 1905 64.000 Mann. Der siegreiche General Nogi, der bei den Kämpfen auch seine beiden Söhne verlor, war von diesen Verlustzahlen so entsetzt, dass er sich vom Meiji-Tenno persönlich das Recht auf rituellen Selbstmord erbat, was dieser jedoch verweigerte. [17]

Auch die Schlacht um Mukden vom 1. bis 13. März 1905 erinnert fatal an die Schlachten des Ersten Weltkrieges. Beide Armeen führten jeweils über 270.000 Mann ins Feld. Während die militärisch geschlagene russische Mandschurei-Armee 90.000 Soldaten verlor, erlitten auch die japanischen Truppen 70.000 Verluste, ohne den Krieg endgültig entschieden zu haben. [18]

Die meisten der zahlreich ins Kriegsgeschehen entsandten Militärbeobachter der Großmächte, vor allem auch die der deutschen Seite, konzentrierten sich bei der Analyse dieses Kriegsgeschehen jedoch nicht auf die fatale Wirkung der neuen Waffentechnologie. Sie sahen als Grund für die russische Niederlage vielmehr die mangelnden Fähigkeiten der zaristischen Offiziere, deren Handeln von fehlender Entschlossenheit, mangelndem Offensivgeist und taktischen Defiziten geprägt gewesen sei. [19] Auch britische Militärbeobachter kamen zu diesem Ergebnis und zeigten sich von der hohen Opferbereitschaft und der offensiven Einstellung der japanischen Soldaten, die unermüdlich gegen die russischen Verteidigungslinien anrannten, beeindruckt. [20] Die Folge dieser unzureichenden Analyse der militärischen Ereignisse war, dass die bereits zuvor in Fachkreisen postulierte Überlegenheit der Offensive über die Defensive aufgrund der japanischen Siege als bestätigt angesehen wurde. Es bestand allgemeiner Konsens darüber, dass nur durch ein starkes und entschlossenes offensives Vorgehen ein Feind überwunden werden konnte. Aufgrund dieser offensiven Ausrichtung glaubte man, der offensichtlichen Gefahr drohender langwieriger Stellungskriege begegnen zu können. Die Beibehaltung dieser Doktrin sollte sich in Hinblick auf die Geschehnisse von 1914-18 später als fataler Fehlschluss erweisen, der in noch höherem Maße zu den gleichen Abnutzungsschlachten führen sollte, die sich bereits im Russisch-Japanischen Krieg offenbarten. [21] Auch zivile Beobachter, wie etwa Vertreter der britischen Presse, warnten nicht vor den Gefahren, die die neue, technisierte Kriegsführung in sich barg. Es wurden zwar die richtigen Erkenntnisse gewonnen und entsprechende Rückschlüsse auf die Ausmaße einer solchen Konfrontation in Europa gezogen, jedoch schienen die Folgen zu unvorstellbar, um sie offen ansprechen zu können. [22]

Auch in den militärischen Auseinandersetzungen zur See zeitigte der Russisch-Japanische Krieg eine neue Epoche. Die bekannte Seeschlacht bei Tsushima am 27. und 28. Mai 1905 stellte die erste große Schlacht zwischen modernen Kriegsschiffen mit Dampfantrieb, Stahlpanzerung und großkalibrigen Geschütztürmen dar. Nach ihrer Verlegung vom 29.000 km entfernten Kronshtadt in den Fernen Osten traf die Hauptmacht der Baltischen Flotte Russlands, nun in „2. Pazifisches Geschwader“ umbenannt, zum Entscheidungskampf auf die Kaiserliche Japanische Kriegsmarine. Mit 19 Schlachtschiffen und Kreuzern, sowie 9 Torpedobooten auf russischer und 26 Schlachtschiffen und Kreuzern, sowie 21 Torpedobooten auf japanischer Seite, entfaltete sich die größte Seeschlacht seit den Zeiten Admiral Nelsons (1758-1805), die in ihrer Größenordnung bereits der Schlacht von Jutland im Ersten Weltkrieg zwischen der britischen Royal Navy und der Kaiserlichen Deutschen Kriegsmarine nahe kam. Mit dem Verlust von insgesamt 35 Kriegsschiffen und der Bilanz von 6.000 toten und weiteren 6.000 gefangen genommenen Seeleuten nahm sie für die russische Marine einen katastrophalen Ausgang, der die Flotte schlagartig in der Bedeutungslosigkeit versinken ließ. [23]

Aufgrund des Schlachtgeschehens sahen sowohl die deutsche Marine, als auch in noch größerem Maße die Führung der Royal Navy die zuvor mehrfach in Frage gestellte Überlegenheit des Schlachtschiffs gegenüber kleineren und wendigeren Einheiten bestätigt. Anstatt einer Mäßigung der beiden Seemächte in ihrem bereits schwelenden Wettstreit um maritime Vorherrschaft in Europa, bewirkte Tsushima somit eine weitere Verschärfung ihres Wettrüstens durch die Konzentration auf den Bau noch schlagkräftigerer und schnellerer Großkampfschiffe, beginnend mit dem bereits vor Tsushima ins Auge gefassten und nun durch die Analyse dieser Schlacht bestätigten Schlachtschiffprojekt Dreadnought [24] auf britischer Seite.

Die Seeschlacht von Tsushima steht damit in direktem Zusammenhang mit dem Aufeinandertreffen der beiden hochgerüsteten Großkampfschiff-Flotten Großbritanniens und Deutschlands bei Jutland 1916. Zudem sollte auch die zu Beginn des Krieges von den Japanern erfolgreich angewandte Methode des Überraschungsangriffs auf einen überlegenen Gegner in Form der russischen Pazifik-Flotte in Port Arthur später mit dem Überfall auf Pearl Harbor 1941 in ähnlicher Weise eine Wiederholung finden. [25]

3.2  Die Blocksysteme im Hintergrund

Formell erklärten sich alle anderen Großmächte der Welt während des Russisch-Japanischen Krieges neutral. Dennoch agierten sie auf informellem Wege im Hintergrund, da sie im Rahmen des Konflikts eigene Interessen verfolgten.

Das Britische Empire sah sich durch die zunehmende Instabilität des europäischen Mächtegleichgewichts und die Auswirkungen der Burenkriege gezwungen, seine im 19. Jahrhundert erfolgreich betriebene „Splendid Isolation“ aufzugeben und sich wieder verstärkt nach Bündnispartnern umzuschauen. Das seit den 1850er Jahren in Konkurrenz zu Russland betriebene „Great Game“[26] um die kontinentale Vorherrschaft in Zentralasien, Indien und dem Fernen Osten ließ zunehmend Sorgen aufkommen, der asiatische Besitz des Empire könnte durch eine weitere russische Expansion bedroht werden. In der Hoffnung, die aufstrebende Regionalmacht Japan könne den Einfluss des Zarenreiches in Ostasien eindämmen oder sogar zurückdrängen, schlossen die Briten 1902 eine Allianz mit Japan, die dem Inselreich freie Hand für ein militärisches Vorgehen gegen Russland in der Region zusicherte. Bereits seit den 1890er Jahren lieferte man der kaiserlichen Flotte zudem moderne Kriegsschiffe, um Japan zu einem Konkurrenten der russischen Pazifikflotte aufzurüsten und so die Royal Navy im Fernen Osten zu entlasten. [27]

Frankreich stand hingegen an der Seite Russlands, das man in Europa dringend als möglichst starken und verlässlichen Bündnispartner gegen das Deutsche Reich benötigte. Trotz großer Skepsis gegen das russische Vorgehen in Fernost unterstützte man das Zarenreich, um seine Schwächung durch eine dortige Niederlage zu verhindern. Hinzu kam die französische Sorge vor einer Bedrohung Französisch-Indochinas durch ein weiter erstarkendes Japan. [28]

Das Deutsche Kaiserreich verfolgte unterdessen eine Doppelstrategie. Zum einen bestand aufgrund der deutschen Interessen in China mit Russland und dem verfeindeten Nachbarn Frankreich Einigkeit darüber, dass ein weiteres Erstarken Japans verhindert werden müsse, gleichzeitig kam Kaiser Wilhelm II. aber auch eine Schwächung Russlands gelegen, um den östlichen Nachbarn als möglichen Gegner in einem zukünftigen europäischen Krieg klein zu halten, oder ihn durch eine Niederlage im Fernen Osten für ein Bündnis zu gewinnen. Gleichzeitig durfte in den Augen des Kaisers Russland aber auch nicht zu vernichtend geschlagen werden, da es sich sonst wieder verstärkt der Expansion auf dem Balkan hätte widmen können und gleichzeitig Japan an Macht und Einfluss in China gewonnen hätte. In der Konsequenz zielte die deutsche Außenpolitik, wie beispielsweise bei der gemeinsam mit Russland und Frankreich betriebenen Verhinderung der japanischen Inbesitznahme Port Arthurs nach dem Sino-Japanischen Krieg 1895, darauf ab, Russland und Japan gegeneinander auszuspielen. Diese von Wilhelm II. im „Persönlichen Regiment“ betriebene Doppelstrategie sollte jedoch keinen Erfolg zeitigen. [29]

Auch die USA, seit dem gewonnenen Krieg gegen Spanien 1898 im Konzert der Großmächte aktiv, versprachen sich durch den ausbrechenden Krieg in Ostasien die erfolgreiche Verfolgung eigener Interessen. Durch die russische Expansion in Nordchina sah Washington seine seit Jahrzehnten in Asien propagierte Wirtschaftspolitik der „Open Door“ gefährdet. Japan erschien den Amerikanern mit seinem militärischen Vorgehen gegen Russland als idealer Verteidiger dieser Politik gegen die zunehmende Tendenz der imperialistischen Aufteilung Chinas. Als Japan dieses Ziel in seiner Kriegserklärung an Russland zu einem angeblichen Hauptmotiv seines Handelns erklärte, konnte es die USA endgültig für sich gewinnen. In einem Brief an seinen Sohn vom 10. Februar äußerte der damalige US-Präsident Theodore Roosevelt anlässlich der ersten Nachrichten über den Beginn der Kampfhandlungen und den japanischen Erfolg beim Angriff auf Port Arthur unverhohlene Begeisterung für die Japaner, die mit ihrem Kampf buchstäblich die Arbeit der kriegsunwilligen Amerikaner in Fernost erledigen würden:

„For several years Russia has behaved very badly in the far East, her attitude toward all nations, including us, but especially toward Japan, has been grossly overbearing. We had no sufficient cause for war with her […] I was thoroughly well pleased with the Japanese victory, for Japan is playing our game.”[30]

Da aber auch Roosevelt ein zu großes Erstarken Japans als Bedrohung ansah, verfolgte er die Strategie, beide Kriegsparteien durch die Förderung eines möglichst langen Abnutzungskrieges gegeneinander zu schwächen und später beide Seiten, wie letztendlich auch durch seine Moderation bei den Friedensverhandlungen in Portsmouth bewirkt, durch einen möglichst moderaten Friedensschluss in einem relativen Kräftegleichgewicht zu einander zu halten. [31]

Ein Beispiel für das Wirken der Blocksysteme im Hintergrund ist die Kriegsfinanzierung. Sowohl Russland als auch Japan waren nicht in der Lage, die enormen Kosten des Krieges aus eigener Kraft zu stemmen und suchten auf dem internationalen Finanzmarkt nach Geldgebern. Das Japanische Kaiserreich entsandte zu diesem Zweck Takahashi Korekiyo (1854-1936), den Vize-Präsidenten der Bank von Japan, in die damals weltweit wichtigste Finanzmetropole London. Doch aufgrund der geringen Reputation Japans an den Finanzmärkten wurden ihm Anleihen zunächst verweigert. Daraufhin stellte eine Gruppe einflussreicher britischer Bankiers mit direkten Verbindungen zum britischen König Edward VII. (1841-1910) den Kontakt zwischen Takahashi und dem jüdischen US-Bankier Jacob H. Schiff (1847-1920) her. Schiff, bestens bekannt mit US-Präsident Roosevelt, gab an, den Japanern eine erste Rate der benötigten Anleihen zur Verfügung zu stellen. Als Grund nannte er sein Bedürfnis nach Rache am Russischen Zarenreich für grausame Pogrome an Juden. Durch eine erste Anleihe durch seine in New York beheimatete Bank Kuhn, Loeb und Co. über 50 Millionen US-Dollar erhöhte er die finanzielle Reputation Japans erheblich. Durch weitere Kredite in den kommenden Monaten ermöglichte Schiff Japan so den Zugang zu den Finanzmärkten in New York und London. Dieser Umstand, gepaart mit der steigenden Attraktivität japanischer Kriegsanleihen durch die erzielten militärischen Erfolge, ließen Japan den mit Russland ausgefochtenen Wettstreit um die Finanzmärkte gewinnen. [32] Von den Kriegskosten in Höhe von rund 600 Millionen US-Dollar konnte Japan somit 408 Millionen US-Dollar durch Anleihen aus Übersee finanzieren. Durch die federführende Rolle des Finanzstandortes New York bei dieser Kriegsfinanzierung begann darüber hinaus der Aufstieg der Wall Street zum globalen Finanzzentrum. [33]

Während Japan somit in hohem Maße finanzielle Unterstützung erfuhr, scheiterte der Versuch der russischen Regierung, an frisches Geld zur Kriegsfinanzierung zu gelangen. Durch einen hauptsächlich von der britischen Presse geführten Informationskrieg nahm die ohnehin geschwächte Bonität Russlands weiter ab. Der Zugang zu den internationalen Finanzmärkten blieb dem Zarenreich daher verwehrt. Lediglich französische Bankiers entschlossen sich aus Rücksichtnahme auf ihren Bündnispartner widerwillig, Russland Finanzmittel zu gewähren. Französische Banken wurden in der Folgezeit zum russischen Hauptgläubiger, verweigerten aber durch den andauernden Misserfolg Russlands auf den Schlachtfeldern letzten Endes das Zeichnen weiterer russischer Kriegsanleihen. Der von Zar Nikolaus II. (1868-1918) ausgerufene „internationale Krieg“ um die Finanzen, der Russland zur Deckung der auf 6,554 Milliarden Rubel bezifferten Kriegskosten 3,944 Milliarden Rubel aus Anleihen bringen sollte, ging somit verloren und brachte das Zarenreich an den Rande des Bankrotts. [34]

Auch die 29.000 km umfassende Reise der russischen Baltischen Flotte von Kronshtadt in den Fernen Osten offenbarte das Wirken der verschiedenen Blöcke. Die vom Britischen Empire ohnehin mit Sorge betrachtete Verlegung der Streitmacht geriet zu einer ernsthaften politischen Krise, als mehrere russische Schlachtschiffe, in der bemerkenswerten Annahme, sie würden 18.000 Seemeilen vom nächsten japanischen Hafen entfernt mitten in der Nordsee, von japanischen Torpedobooten angegriffen, das Feuer auf britische Fischerboote eröffneten und mehrere Fischer töteten. Auch wenn sich die britische Regierung bemühte, den „Doggerbank-Zwischenfall“ nicht zu einer militärischen Konfrontation gegen Russland ausarten zu lassen und stattdessen zu entschärfen, war dies dennoch ein willkommener Anlass zur Sperrung sämtlicher britischer Häfen für die Einheiten der Baltischen Flotte. Somit wurde der Armada die für die lange Reise dringend benötigte Kohleversorgung deutlich erschwert, während sie gleichzeitig von Kriegsschiffen der Royal Navy bis Gibraltar beschattet wurde. [35] Deutschland und Frankreich öffneten hingegen ihre Häfen für die Versorgung der russischen Einheiten mit Kohle und organisierten sogar das Verladen von Brennstoff-Vorräten auf offener See, um die Baltische Flotte auf ihrer Reise zu unterstützen. [36]

Auch der letztendliche Friedensschluss von Portsmouth, einer Stadt im amerikanischen New Hampshire, vom 5. September 1905 kam unter maßgeblicher Beteiligung anderer Mächte zustande. Nachdem bereits einige in deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit gestartete Friedensinitiativen erfolglos blieben, wurden die Kriegsparteien letztendlich dadurch an den Verhandlungstisch gezwungen, dass die amerikanischen Finanzmärkte Japan weitere Kriegsanleihen verweigerten, da eine Fortsetzung des Krieges sinnlos geworden sei. Erst durch diese Maßnahme war nicht nur das ohnehin finanziell erschöpfte Russland, sondern auch Japan zu Verhandlungen unter Vermittlung des US-Präsidenten bereit. Obwohl Roosevelt eine starke persönliche Begeisterung für die japanische Kultur hegte, verfolgte er während der Gespräche dennoch eine klare Realpolitik im Eigeninteresse der USA. Unter der Prämisse, dass Japan nicht zu stark und Russland nicht zu schwach aus dem Krieg hervorgehen dürfe, vermittelte er letztlich einen für Russland das Gesicht wahrenden und einen für die, vor allem in der  Öffentlichkeit, hohen japanischen Erwartungen relativ unbefriedigenden Kompromiss, der einen moderaten Friedensschluss im Interesse der USA ermöglichte. [37]

3.3  Die globalen Folgen: Verschiebungen im Mächtesystem

Die globalen Auswirkungen des Russisch-Japanischen Krieges erschienen schon den Zeitgenossen als ein fundamentales Ereignis. Der amerikanische Kriegskorrespondent Sydney Tyler begann die Einleitung seines Buches über diesen militärischen Konflikt mit dem bereits vielsagenden Titel The Japan-Russia War: The Greatest Conflict of Modern Times mit folgendem Satz: „The Japan-Russia War goes into history as the greatest military struggle the world has known.“[38] Tyler bringt die enorme weltpolitische Bedeutung der Ereignisse in Fernost für die Veränderungen im globalen Mächtesystem mit dem Erwachsen einer neuen Großmacht in Asien zu Beginn des ersten Kapitels treffend auf den Punkt:

„Never since the great Napoleonic wars which convulsed Europe a century ago has the world witnessed an appeal to arms so momentous in its issues and so tremendous in its possibilities as that which has just been tried between Russia and Japan in the Far East. The great internecine struggle in the United States in the middle of the last century, the disastrous duel between France and Germany which followed, and England’s recently concluded campaign in South Africa, have each, indeed, left a deep mark upon history. But while their import was at most Continental, if not local, the conflict between Japan and Russia is fraught with consequences which must inevitably be world-wide in scope. There is no civilized Power in either hemisphere whose interests are not more or less directly concerned in the question – Who shall be the dominant Power in the China Seas?”[39]

Auch wenn Tyler sein Urteil über die welthistorische Bedeutung dieses Krieges wohl etwas weniger überschwänglich formuliert hätte, wenn er zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst hätte, welcher noch weit größere Konflikt der Welt im kommenden Jahrzehnt bevorstehen sollte, ist es dennoch bemerkenswert, als welch bedeutenden Meilenstein in der Weltgeschichte er den Russisch-Japanischen Krieg im weiteren Verlauf dieses Kapitels charakterisiert:

„Lord Beaconsfield once said that there were only two events in history – the siege of Troy and the French Revolution. It seems more than possible that the Russo-Japanese War will have to be recorded as a third supreme factor in the progress of the world.”[40]

Tatsächlich markierte der Russisch-Japanische Krieg den Beginn einer neuen Epoche. Der Sieg Japans über die europäische Großmacht Russland bedeutete das Ende europäischer Überlegenheit über den Rest der Welt. Die anderen Kontinente waren nicht länger nur eine Beute für die expansionistischen Mächte Europas. Im ostasiatisch-pazifischen Raum etablierte sich ein neues, außereuropäisches Teilsystem der globalen Machtstruktur, das völlig neue Mächtekonstellationen ermöglichte und mit dem Europa ab sofort in einer gegenseitigen Abhängigkeit und Beeinflussung stehen sollte. Bezeichnender Weise war es in diesem Konflikt nicht mehr eine europäische Großmacht, die dessen Ausgang entscheiden sollte, sondern, wie später auch am Ende des Ersten Weltkrieges, mit den USA, in Form von Roosevelts Friedens-Initiative, eine außereuropäische Macht. [41]

Besonders auf das ohnehin immer fragiler werdende europäische Mächtegleichgewicht sollte der Ausgang des fernöstlichen Kriegsgeschehens einschneidende Folgen haben. Durch die enorme Schwächung seines Verbündeten Russlands konnte Frankreich alleine nicht mehr genug Gegengewicht gegen die stärkste Kontinentalmacht Deutschland und dessen alliierte Mittelmächte entwickeln. Durch diesen Druck auf Frankreich war die Machtbalance in Europa auf einmal erheblich gestört. [42] Das dieser Umstand von den potentiellen Gegnern der französisch-russischen Allianz ausgenutzt werden könnte und nicht nur für Russland selbst, sondern für ganz Europa unabsehbare Folgen haben würde, erkannten bereits während des Krieges in Asien der Zar und sein Kriegsminister Viktor Sacharow (1848-1905), der in einem Schreiben an den Oberbefehlshaber der Truppen, General Aleksey Kuropatkin (1848-1925), von 13. Juni 1904 mit den folgenden Worten vor weiteren Niederlagen gegen die japanischen Truppen warnte:

„ Wenngleich Se. Majestät auf den erfolgreichen endgültigen Ausgang des Krieges hofft, so beurteilt der Kaiser dennoch die augenblickliche Lage nicht ohne Unruhe; die Einnahme von Port Arthur seitens der Japaner würde ein neuer und sehr schwerer Schlag sein, der sowohl das politische, als auch das militärische Prestige Rußlands nicht nur im Fernen, sondern auch im Nahen Osten, in Mittelasien und Europa, vernichten würde; unzweifelhaft würden unsere Feinde dies benützen, um uns nach Möglichkeit Schwierigkeiten zu bereiten, die Freunde aber würden sich von Rußland, als von einem kraftlosen Verbündeten, abwenden.“[43]

Tatsächlich sollte, zumindest kurzzeitig, Sacharows Prognose Realität werden. Während sich das aufgrund der zunehmenden Schwäche seines Bündnispartners nach anderen Verbündeten umschauende Frankreich bereits im Laufe des Jahres 1904 mit der Entente Cordiale auf Russlands alten Rivalen Großbritannien zubewegte, sah das Deutsche Reich, und mit ihm dessen maroder Bündnispartner Österreich-Ungarn, die Chance gekommen, sein Streben nach „Weltgeltung“ und Hegemonie in Europa zu verstärken, wie sich bereits in der ersten Marokkokrise von 1905/6 zeigen sollte. [44] Doch der Aufstieg Japans zu einer in den Augen der europäischen Mächte nun gleichberechtigten Großmacht sollte das nun ohnehin bereits aus den Fugen geratene Mächtesystem noch nachhaltiger beeinflussen.

Der neue Kurs des Britischen Empires, nach Aufgabe seiner „Splendid Isolation“ neue Bündnisse einzugehen, hatte bereits 1902 mit der Anglo-Japanischen Allianz, die 1905 erneuert wurde, und mit dem Vertrag mit Frankreich 1904, der als Ausgleich mit dem russischen Verbündeten wegen des japanischen Vorgehens gegen das Zarenreich gedacht war, völlig neue Bündniskonstellationen ermöglicht. Auch Frankreich bemühte sich nun um ein Bündnis mit Japan, um seinen asiatischen Kolonialbesitz in Indochina gegen die neue Macht abzusichern. Bereits im gleichen Jahr dieses Vertragsabschlusses 1907 ging Japan, aufgrund der Angst vor einem russischen Revanche-Krieg in Fernost und auf Vermittlung Frankreichs, sogar eine Allianz mit dem früheren Kriegsgegner Russland ein, der sich dadurch seinerseits ein Ende der militärischen Bedrohung durch den asiatischen Gegner versprach. Durch den japanisch-russischen Ausgleich und aufgrund der noch andauernden militärischen Schwäche Russlands sah nun auch das Empire die Zeit gekommen, die alte Rivalität mit dem Zarenreich im Zuge des „Great Game“ auf dem asiatischen Kontinent zu beenden. Noch 1907 vereinbarten beide Seiten dazu eine Abgrenzung ihrer Interessensphären und Einflusszonen in Persien, Afghanistan, Indien und Tibet und einigten sich auf eine Allianz. [45]

Unter der vollen vertraglichen Einbindung der neuen Großmacht Japan entstand also binnen weniger Jahre in Europa die sogenannte „Triple-Allianz“ zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland, eine Mächtekonstellation, in der Deutschland keinen politischen Spielraum mehr besaß. [46] Das mit seiner Außenpolitik daher letztlich gescheiterte Deutsche Reich sah sich somit der Gefahr einer Einkreisung gegenüber. Durch die militärische Wiederaufrüstung der russischen Armee in Europa im Zuge einer Heeresreform sah die deutsche Führung endgültig ihre Ziele durch das Schließen des nach dem Russisch-Japanischen Krieges geöffneten Zeitfensters zur Expansion gefährdet. Die Folge war eine verhängnisvoll enge Bindung an den instabilen Alliierten Österreich-Ungarn, ein sich weiter verschärfendes aggressives Vorgehen in der Außenpolitik und Gedankenspiele, in einem Präventivschlag gegen die fest formierte gegnerische Koalition eine militärische Lösung für die politisch festgefahrene Situation herbeizuführen. In der Folge ließen sich auch die übrigen Mächte von dieser Politik des „kalkulierten Risikos“ anstecken.

Natürlich darf eine geschichtliche Entwicklung niemals monokausal interpretiert werden, jedoch erscheint der Ausgang des Russisch-Japanischen Krieges aufgrund dieser Ereigniskette definitiv als eine von mehreren Ursachen, die letztlich in den Ersten Weltkrieg münden sollten. [47]

Auch der asiatisch-pazifische Raum wurde durch die neu entstandene Situation nachhaltig beeinflusst. Schon sehr bald nach dem Friedensschluss von Portsmouth sollte sich die Gefahr einer japanisch-amerikanischen Konfrontation bewahrheiten. Bereits ab 1907 kam es zwischen den einstigen Partnern aufgrund unterschiedlicher Auslegungen der „Open-Door-Policy“ in China zu ersten Entfremdungen, die bereits dazu führten, dass beide Seiten sich in militärischen Planspielen als zukünftige Hauptgegner ansahen. In den kommenden Jahrzehnten sollte sich dieser Antagonismus zwischen Japan und den USA, den beiden neuen und entscheidenden Großmächten im asiatisch-pazifischen Raum, aufgrund von sich gegenseitig überschneidenden wirtschaftlichen und strategischen Interessen weiter verschärfen. Auch wenn es dabei keine direkte Kausalitätskette der Ereignisse gegeben hat, lag der Beginn dieser Rivalität, die sich schließlich mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor und dem anschließenden Pazifik-Krieg 1941-1945 entladen hat, im Ausgang des Russisch-Japanischen Krieges begründet. [48]

3.4  Die erste Russische Revolution von 1905

Mit Beginn der Kampfhandlungen wurde der japanische Colonel Akashi Motojiro (1864-1919) von der Führung in Tokyo beauftragt, nationalistische und separatistische Bewegungen unter den ethnischen Minderheiten des Zarenreiches, vor allem in Finnland und Polen, mit Waffen und Finanzmitteln zu unterstützen. Gleichzeitig sollte er oppositionelle Gruppen in Russland durch Treffen und Konferenzen zu einem gemeinsamen koordinierten Umsturzversuch gegen den Zaren bewegen. [49]

Diese verwegenen Pläne waren jedoch nicht der Auslöser für die schweren inneren Unruhen, die Russland im Laufe des Krieges gegen Japan erfassten. Vielmehr wies das autokratische Regime des Zaren, bedingt durch die zum Teil unzumutbaren Lebensumstände der Bevölkerung, bereits vor Kriegsausbruch innere Zerfallserscheinungen auf. Die russische Regierung, allen voran der zaristische Innenminister Vyacheslav von Pleve (1846-1904), erkannte die daraus resultierenden Gefahren und hoffte auf eine beruhigende Wirkung durch schnelle Kriegserfolge gegen Japan. Doch die ohnehin mangelhafte Begeisterung der Öffentlichkeit über den Waffengang wich angesichts der ausbleibenden militärischen Erfolge bald großer Unzufriedenheit. Immer häufiger kam es zu Meutereien unter den mobilisierten Truppen, die eine mangelnde finanzielle Unterstützung ihrer zurückgebliebenen Familien beklagten, wodurch sich die militärische Führung mancherorts sogar dazu veranlasst sah, die Mobilisierung neuer Truppenkontingente für den Krieg im Fernen Osten gänzlich zu stoppen. Durch die Finanznot des Staates und die Niederlagen der Armee erhielt die ohnehin marode russische Industrie zudem immer weniger Aufträge, was schließlich zu immer größeren Massenstreiks unter den Arbeitern führte. Während es im Land zu immer größerem Aufruhr kam und die Truppen des Zaren Niederlage um Niederlage erlitten, nutzten intellektuelle und sozialistische Oppositionsgruppen das entstehende Chaos aus, um die Herrschaft des Zarenhauses zu attackieren. Nachdem überdies auch noch der reaktionäre Innenminister Pleve bei einem Anschlag radikaler Gruppen ermordet wurde, entglitt die Situation vollends. Ohne die Unterstützung seiner im Fernen Osten gebundenen Truppen musste Zar Nikolaus II. schließlich weitreichende Zugeständnisse machen.

Am 17. Oktober 1905 erließ er das von seinem neuen Regierungschef Sergei Witte (1849-1915) verfasste Oktobermanifest, dass der Bevölkerung bürgerliche Rechte garantierte, die Duma zur gesetzgebenden Versammlung aufwertete und seine Herrschaft somit faktisch in eine konstitutionelle Monarchie umwandelte. Dadurch gelang es dem Zaren letzten Endes, seine Herrschaft zu wahren, jedoch sollte sich die weiter anhaltende Unzufriedenheit der Bevölkerung schließlich doch noch in der berühmten Oktoberrevolution von 1917 entladen und die Zarenherrschaft blutig beenden.

Durch diese innenpolitischen Unruhen im Zuge des Russisch-Japanischen Krieges zeigte sich bereits ein aus dem Ersten Weltkrieg bekanntes Phänomen. Im Angesicht militärischer Niederlagen kamen die betreffenden politischen Systeme immer stärker unter Druck, was gegen Ende des Großkonflikts von 1914-18 zahlreiche Monarchien in Europa die Existenz kosten sollte. [50]

4  Schluss

Die Untersuchungen in den vorangegangenen Kapiteln haben gezeigt, dass der Russisch-Japanische Krieg in vielerlei Hinsicht mit den beiden großen Weltkriegen des 20. Jahrhunderts zu vergleichen ist. Auch wenn natürlich „nur“ die beiden kriegführenden Parteien Russland und Japan aktiv an den Kampfhandlungen beteiligt waren, agierten doch sämtliche globalen Großmächte dieser Zeit im Hintergrund, sei es, um einen alliierten Partner zu unterstützen oder durch unterschwelliges aktives Eingreifen in den Konflikt eigene Interessen durchzusetzen.

Der Russisch-Japanische Krieg besaß außerdem den Charakter eines ersten wirklich modernen und technisierten Großkonflikts, nicht nur aufgrund der riesigen Masse an aufgebotenen Soldaten, sondern vor allem auch wegen der erstmals in großem Maße eingesetzten neuen Waffensysteme. Mit Stahl gepanzerte großkalibrige Schlachtschiffe trafen ebenso erstmals in einer großen Schlacht auf See aufeinander, wie an Land schwere Artillerie und Maschinengewehre in großer Zahl zum Einsatz kamen und ein ganz neues Maß an Zerstörungspotenzial offenbarten. Die Seeschlacht von Tsushima, die monatelange Belagerung Port Arthurs und die wochenlange Schlacht um Mukden setzten in ihrer Größenordnung ganz neue und bis dahin nicht für möglich gehaltene Maßstäbe.

Ebenso hat sich gezeigt, dass der Ausgang des Krieges von 1904/5 globale Auswirkungen besaß, die die politische Landkarte nachhaltig veränderten und zu schwerwiegenden Verwerfungen im weltweiten Mächtesystem führten. Bereits für die Zeitgenossen war klar zu erkennen, welch historische Bedeutung dieser Konflikt in sich tragen sollte. Sein Ausgang galt als sensationell und verursachte in der Öffentlichkeit der damaligen Zeit regelrechte „Schockwellen“, die sich über den ganzen Globus ausbreiteten. Nicht nur im Bereich der Kriegsführung, sondern auch im globalen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich markierte er den Übergang zu einer neuen Epoche. Die Geschicke der Welt sollten nicht länger allein von den Großmächten Europas bestimmt werden, wie es zuvor Jahrhunderte lang der Fall gewesen ist.

In jeglicher Hinsicht markierte der Russisch-Japanische Krieg einen wichtigen Meilenstein in der bereits in der Frühen Neuzeit erkennbaren Entwicklung hin zu den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Es bleibt außerdem festzuhalten, dass er nahezu sämtliche Definitionskriterien für einen modernen „Weltkrieg“ erfüllt. Natürlich wurde er von den beiden noch viel gravierenderen Weltkriegen von 1914-18 und 1939-45 in jeglicher Dimension schon bald in den Schatten gestellt, weshalb er heutzutage aus dem allgemeinen Gedächtnis der Öffentlichkeit nahezu verschwunden ist. Doch auch der Erste Weltkrieg wurde in seinen Ausmaßen noch einmal vom Zweiten Weltkrieg übertroffen, ohne dadurch an Bedeutung zu verlieren. Auch die Bedeutung des Russisch-Japanischen Konflikts kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, erinnern doch seine dramatische Kriegsführung und die in seinem Gefolge aufgetretenen schwerwiegenden globalen Verwerfungen im sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereich in fataler Weise an die beiden folgenden Weltkriege. In vielerlei Hinsicht exerzierte der Krieg zwischen Russland und Japan bereits all die Eskalationsstufen durch, die später zu entscheidenden Charakterzügen eines modernen Weltkrieges des 20. Jahrhunderts werden sollten. Er leistete dadurch in beängstigender Form „Pionierarbeit“ für die kommenden Großkonflikte.

Die in der geschichtlichen Entwicklung aufgetretenen Übergänge eines regionalen Konflikts über einen Krieg mit globaler Dimension hin zu einem wirklichen „totalen“ Weltkrieg, wie wir ihn heute kennen, sind zweifellos fließend und immer auch eine Frage der jeweiligen Auslegung und Beurteilung.  Doch im Gegensatz zu anderen möglicherweise bereits als „Weltkriege“ zu bezeichnenden Konflikten, wie etwa dem Siebenjährigen Krieg oder den Französischen (Napoleonischen) Kriegen, wies der Russisch-Japanische Krieg als erster Konflikt der Weltgeschichte eindeutig in nahezu allen Definitionskriterien die Charakterzüge eines wirklichen Weltkrieges auf und kam den beiden allgemein als „Weltkriege“ bekannten Großkonflikten mit Sicherheit am nächsten.

Auch wenn er natürlich nicht die Dimensionen eines Ersten oder Zweiten Weltkrieges erreichte, so war er doch der erste wirkliche Krieg dieser neuen Art von Konflikten, die das 20. Jahrhundert prägen sollten, und markierte somit den Beginn des Zeitalters der modernen Weltkriege, wie wir sie heute kennen. Der Russisch-Japanische Krieg kann daher durchaus als „Nullter Weltkrieg“ der Geschichte bezeichnet werden.

[1] Vgl.: Steinberg, John W. u.a.: Introduction; in: Steinberg, John W. u.a. (Hrsg.): The Russo-Japanese War in Global Perspective. World War Zero, Vol. I, Leiden 2005, S. XIX.

[2] Vgl.: Segesser, Daniel Marc: Der Erste Weltkrieg in globaler Perspektive, Wiesbaden 2010, S. 8-10.

[3] Vgl.: Förster, Stig: „Vom Kriege”. Überlegungen zu einer modernen Militärgeschichte; in: Kühne, Thomas; Ziemann, Benjamin (Hrsg.): Was ist Militärgeschichte?, Paderborn 2000, S. 274f.

[4] Vgl.: Förster, Stig: Vom Volkskrieg zum totalen Krieg? Der Amerikanische Bürgerkrieg 1861-65, der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 und die Anfänge moderner Kriegführung; in: Bernecker, Walther L.; Dotterweich, Volker (Hrsg.): Deutschland in den internationalen Beziehungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Festschrift für Josef Becker zum 65. Geburtstag, München 1996, S. 77-79.

[5] Carl von Clausewitz: Vom Kriege (1832), Erftstadt 2003, S. 498 f.

[6] Vgl.: Förster, Stig: Vom Volkskrieg zum totalen Krieg?, S. 77, 79 f., 86-92.

[7] Vgl.: Förster, Stig: Der Weltkrieg, 1792-1815. Bewaffnete Konflikte und Revolutionen in der Weltgesellschaft; in: Düffler, Jost (Hrsg.): Kriegsbereitschaft und Friedensordnung in Deutschland, 1800-1814, Jahrbuch für historische Friedensforschung 3 (1994), S. 17f.

[8] Vgl.: Segesser, Daniel Marc: Der Erste Weltkrieg in globaler Perspektive, S. 9.

[9] Vgl.: Förster, Stig: Der Weltkrieg, 1792-1815, S. 17, 20-29, 34.

[10] Vgl.: Ebd., S. 34-38.

[11] Vgl.: Ebd., S: 25-36.

[12] Vgl.: Segesser, Daniel Marc: Der Erste Weltkrieg in globaler Perspektive, S. 10.

[13] Vgl.: Der Brockhaus Geschichte, Mannheim 2003, S. 929f.

[14] Vgl.: Steinberg, John W. u.a.: Introduction, S. XX.

[15] Vgl.: Ebd., S. XIXf.

[16] Vgl.: Haruo, Tohmatsu: Approaching Total War: Ivan Bloch’s disturbing Vision; in: Wolff, David u.a. (Hrsg.): The Russo-Japanese War in Global Perspective. World War Zero, Vol. II, Leiden 2007, S. 191, 195f.

[17] Vgl.: Steinberg, John W.: The Operational Overview; in: Steinberg, John W. u.a. (Hrsg.): The Russo-Japanese War in Global Perspective. World War Zero, Vol. I, Leiden 2005, S. 122f. Nach dem Tod des Meiji-Tenno im Jahr 1912 sah sich General Nogi im Übrigen nicht mehr an das Verbot gebunden und beging zusammen mit seiner Frau doch noch rituellen Selbstmord.

[18] Vgl.: Ebd., S. 127.

[19] Vgl.: Griffin, Oliver: Perceptions of Russia in German Military Leadership during the War; in: in: Kowner, Rotem (Hrsg.): Rethinking the Russo-Japanese War, 1904-05. Vol. I: Centennial Perspectives, Folkestone 2007, S. 352, 364f.

[20] Vgl.: Ferris, John: Turning Japanese: British Observation of the Russo-Japanese War; in: Chapman, John W. M.; Chiharu, Inaba (Hrsg.): Rethinking the Russo-Japanese War, 1904-1905. Vol. II: The Nichinan Papers, Folkestone 2007, S. 131f.

[21] Vgl.: Jones, David: Military Observers, Eurocentrism, and World War Zero, in: Wolff, David u.a. (Hrsg.): The Russo-Japanese War in Global Perspective. World War Zero, Vol. II, Leiden 2007, S. 175-177.                                                                         Sowie: Sheffy, Yigal: A model not to follow. The European armies and the lessons of the war; in: Kowner, Rotem (Hrsg.): The Impact of the Russo-Japanese War, London 2007, S. 257-266.

[22] Vgl.: Towle, Philip: British War Correspondents and the War; in: Kowner, Rotem (Hrsg.): Rethinking the Russo-Japanese War, 1904-05. Vol. I: Centennial Perspectives, Folkestone 2007, S. 328f.

[23] Vgl.: Steinberg, John W.: The Operational Overview, S. 127.

[24] Das erste sogenannte “All Big Gun Battleship”: Eine neue Art der Schlachtschiffe, deren Hauptbewaffnung ausschließlich aus großkalibrigen Geschützen bestand, von denen im Gegensatz zu früheren Typen nicht nur vier, sondern bis zu 14 an Bord waren. Zugunsten dieser Hauptartillerie wurde dabei auf Geschütze mittleren Kalibers verzichtet. Das „All Big Gun Battleship“ war den übrigen Schlachtschiffen sowohl in Kampfkraft und Reichweite, als auch in Größe und Geschwindigkeit weit überlegen. Da mit dem Erscheinen der Dreadnought alle aktuellen Kampfschiffe veraltet waren, sahen sich die übrigen Seemächte gezwungen, ihrerseits mit dem Bau solcher Großkampfschiffe nachzuziehen, was schnell zu einem maritimen Rüstungswettlauf führte.

[25] Vgl.: Eberspaecher, Cord: The road to Jutland? The war and the Imperial German Navy; in: Kowner, Rotem (Hrsg.): The Impact of the Russo-Japanese War, London 2007, S. 303f.                                                                                                           Sowie: Kowner, Rotem: The impact of the war on naval warfare; in: Kowner, Rotem (Hrsg.): The Impact of the Russo-Japanese War, London 2007, S. 269-282.

[26] Siehe hierzu: Sergeev, Evgeny: The Great Game 1856-1907. Russo-British Relations in Central and East Asia, Baltimore 2013.

[27] Vgl.: Neilson, Keith: The War and British Strategic Foreign Policy; in: Kowner, Rotem (Hrsg.): Rethinking the Russo-Japanese War, 1904-05. Vol. I: Centennial Perspectives, Folkestone 2007, S. 307-313.

[28] Vgl.: Beillevaire, Patrick: The impact of the war on the French political scene; in: Kowner, Rotem (Hrsg.): The Impact of the Russo-Japanese War, London 2007, S. 124-128.

[29] Vgl.: Krebs, Gerhard: German Policy and the Russo-Japanese War; in: Chapman, John W. M.; Chiharu, Inaba (Hrsg.): Rethinking the Russo-Japanese War, 1904-1905. Vol. II: The Nichinan Papers, Folkestone 2007, S. 88-101.

[30] Theodore Roosevelt an seinen Sohn Theodore Roosevelt Jr., Brief vom 10. Februar 1904; in: Elting E. Morison: The letters of Theodore Roosevelt, Vol. 4: The Square Deal, 1903-1905, Cambridge 1951, S. 723f.

[31] Vgl.: Berg, Manfred: “A Great Civilized Power of a Formidable Type”: Theodore Roosevelt, die USA und der Russisch-Japanische Krieg; in: Spotte, Maik Hendrik u.a. (Hrsg.): Der Russisch-Japanische Krieg 1904/05. Anbruch einer neuen Zeit?, Wiesbaden 2007, S. 241-249.

[32] Vgl.: Gutwein, Daniel: Realpolitik or Jewish Solidarity? Jacob Schiff’s Financial Support for Japan Revisited; in: Kowner, Rotem (Hrsg.): Rethinking the Russo-Japanese War, 1904-05. Vol. I: Centennial Perspectives, Folkestone 2007, S. 123-136.                                                                                                                  Sowie: Smethurst, Richard J.: American Capital and Japan’s Victory in the Russo-Japanese War; in: Chapman, John W. M.; Chiharu, Inaba (Hrsg.): Rethinking the Russo-Japanese War, 1904-1905. Vol. II: The Nichinan Papers, Folkestone 2007, S. 63-71.

[33] Vgl.: Miller, Edward S.: Japan’s other Victory: Overseas Financing of the Russo-Japanese War; in: Steinberg, John W. u.a. (Hrsg.): The Russo-Japanese War in Global Perspective. World War Zero, Vol. I, Leiden 2005, S. 470, 482f.

[34] Vgl.: Ananich, Boris: Russian Military Expenditures in the Russo-Japanese War, 1904-5; in: Steinberg, John W. u.a. (Hrsg.): The Russo-Japanese War in Global Perspective. World War Zero, Vol. I, Leiden 2005, S. 450-462.                            Sowie: Beillevaire, Patrick: Preparing for the Next War: French Diplomacy and the Russo-Japanese War; in: Chapman, John W. M.; Chiharu, Inaba (Hrsg.): Rethinking the Russo-Japanese War, 1904-1905. Vol. II: The Nichinan Papers, Folkestone 2007, S. 78.

[35] Vgl.: Warner, Denis; Warner, Peggy: The Tide at Sunrise. A History of the Russo-Japanese War, 1904-1905, London 22002, S. 402-417.

[36] Vgl.: Beillevaire, Patrick: Preparing for the Next War, S. 80f.

[37] Vgl.: Berg, Manfred: “A Great Civilized Power of a Formidable Type”, S. 241-249.                                                                                                                                 Sowie: Minohara, Tosh: The “Rat Minister”: Komura Jutaro and U.S.-Japan Relations; in: Wolff, David u.a. (Hrsg.): The Russo-Japanese War in Global Perspective. World War Zero, Vol. II, Leiden 2007, S. 551-556.

[38] Sydney Tyler: The Japan-Russia War: An illustrated history of the war in the Far East, the greatest conflict of modern times, Philadelphia 1905, S. 5.

[39] Ebd., S. 13.

[40] Ebd., S. 16.

[41] Vgl.: Hildebrand, Klaus: “Eine neue Ära der Weltgeschichte”. Der historische Ort des Russisch-Japanischen Krieges 1904/05; in: Kreiner, Joseph (Hrsg.): Der Russisch-Japanische Krieg (1904/05), Göttingen 2005, S. 33-37.

[42] Vgl.: Otte, Thomas G.: The fragmenting of the old world order. Britain, the Great Powers, and the war; in: Kowner, Rotem (Hrsg.): The Impact of the Russo-Japanese War, London 2007, S. 102.

[43] Generaladjutant Sacharow an General Kuropatkin, Schreiben vom 13. Juni 1904; in: Eberhard Freiherr von Tettau: Der Russisch-Japanische Krieg. Amtliche Darstellung des Russischen Generalstabes, Band I, Zweiter Teil: Vorgeschichte und Geschichte des russisch-japanischen Krieges bis zum 20. Juli 1904, Berlin 1911, S. 339.

[44] Vgl.: Kowner, Rotem: The High Road to the First World War? Europe and the Outcomes of the Russo-Japanese War, 1904-14; in: Chapman, John W. M.; Chiharu, Inaba (Hrsg.): Rethinking the Russo-Japanese War, 1904-1905. Vol. II: The Nichinan Papers, Folkestone 2007, S. 308-310.

[45] Vgl.: Otte, Thomas G.: The fragmenting of the old world order, S. 103.

[46] Vgl.: Oberländer, Christian: Vom Krieg zur Entente. Der Russisch-Japanische Krieg von 1904/05 als Japans Eintritt in das Konzert der Mächte; in: Kreiner, Joseph (Hrsg.): Der Russisch-Japanische Krieg (1904/05), Göttingen 2005, S. 172-174.

[47] Vgl.: Kowner, Rotem: The High Road to the First World War?, S. 308-310.

[48] Vgl.: Kowner, Rotem: Between a colonial clash and World War Zero. The Impact of the Russo-Japanese War in a global perspective; in: Kowner, Rotem (Hrsg.): The Impact of the Russo-Japanese War, London 2007, S. 14f.                        Sowie: Tovy, Tal; Halevi, Sharon: America’s first cold war. The emergence of a new rivalry; in: Kowner, Rotem (Hrsg.): The Impact of the Russo-Japanese War, London 2007, S. 143, 148f.

[49] Siehe hierzu: Kujala, Antti: The Japanese General Staff and the Issue of Concerted Anti-Government Action in the Russian Empire, 1904-5; in: Steinberg, John W. u.a. (Hrsg.): The Russo-Japanese War in Global Perspective. World War Zero, Vol. I, Leiden 2005, S. 261-280.

[50] Vgl.: Bushnell, John: The Specter of Mutinous Reserves: How the War produced the October Manifesto; in: Steinberg, John W. u.a. (Hrsg.): The Russo-Japanese War in Global Perspective. World War Zero, Vol. I, Leiden 2005, S. 333-348.                                                                                                                                   Sowie: Löwe, Heinz-Dietrich: Der Russisch-Japanische Krieg und die russische Innenpolitik: Vom „kleinen erfolgreichen Krieg“ in die erste Revolution von 1905; in: Spotte, Maik Hendrik u.a. (Hrsg.): Der Russisch-Japanische Krieg 1904/05. Anbruch einer neuen Zeit?, Wiesbaden 2007, S. 147-171.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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